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Pensionen

Pensionen: „Ich hab ja jahrelang einbezahlt“

Kenner des Pensionssystems wurden am 26.08.2021 in den Vorarlberger Nachrichten von der Überschrift „Arbeitnehmer zahlen sich ihre Pension großteils selbst“ verstört. Wortreich erklärt der Direktor der Arbeiterkammer Vorarlberg, Rainer Keckeis, in diesem Zeitungsartikel, warum die Pensionen der Arbeiter und Angestellten nur wenig Zuschüsse aus dem Steuertopf bräuchten. [1] Das Problem läge nur bei den Selbständigen und den Bauern.

Der Arbeiterkämmerer kennt sich gut genug aus, um zu wissen, dass seine Behauptungen falsch sind. Aber seine politische Botschaft hat er erfolgreich abgesetzt. Tatsächlich unterschlägt Keckeis gezielt vor allem drei Faktoren, die in Summe jedes Jahr mehr als EUR 6 Milliarden aus anderen Kanälen in die Pensionsversicherung der Arbeitnehmer spülen und dort die Bilanz schönen.

  1. Die Teilversicherung

Wenn Menschen arbeitslos sind, fließt dafür Geld aus der Arbeitslosenversicherung in die Pensionsversicherung, obwohl diese Leute von ihrem Arbeitslosengeld keine Beiträge abführen. Ähnlich verhält es sich bei Eltern mit Kindererziehungszeiten. Das sind jedes Jahr in Summe mehr als EUR 3 Milliarden Steuergeld. [2] Laut Jahresbericht der PVA waren es 2020 sogar fast 4 Milliarden Euro. [3]

  1. Die Wanderversicherung

Wenn jemand Angestellter ist und irgendwann in seinem Berufsleben selbständig wird, zahlt die PVA einen Betrag an die Selbständigenversicherung SVS für die früheren Beitragszeiten. Aber dieser Beitrag ist niemals kostendeckend, sondern viel zu niedrig. Weil es viel häufiger vorkommt, dass jemand seine Berufslaufbahn als Arbeitnehmer beginnt und im Laufe seiner Karriere selbständig wird, als umgekehrt, entsteht für die Selbständigenversicherung SVS ein Verlust und für die Arbeitnehmerversicherung PVA eine Ersparnis von jährlich ca. EUR 1 Mrd.[4]

  1. Öffentlicher Dienst 

Die alten öffentlich Bediensteten waren sehr oft Beamte, die Jungen sind meistens Vertragsbedienstete und gehören daher in der Pensionsversicherung zu den Arbeitern und Angestellten. D.h. die Beitragszahler zahlen an die Pensionsversicherungsanstalt, die Leistungsbezieher sind im Beamtensystem des Bundes. Daher sind derzeit überproportional viele Zahler in der Arbeitnehmerversicherung, denen noch wenige Leistungsbezieher gegenüberstehen. Das schönt die Zahlen jährlich um knapp EUR 2 Milliarden.[5]

 

[1] https://www.vn.at/vorarlberg/2021/08/26/pensionskosten-sind-niedriger-als-2010.vn

[2] https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/J/J_03915/fnameorig_761594.html

[3] https://www.pv.at/cdscontent/load?contentid=10008.750491&version=1628502978
S.100

[4] https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVII/A/A_00306/fnameorig_785274.html

[5] https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/AB/AB_03851/imfname_764810.pdf